In der frühkindlichen Bildung sowie in der Kinder- und Jugendhilfe treten die ersten Fachkraftlücken zutage. Damit diese Bereiche im Wettbewerb um den Nachwuchs nicht abgehängt werden, muss die Attraktivität des Erzieher*innenberufs steigen. Das muss bereitsin der Ausbildung beginnen, meint Maria Groß vom Paritätischen Sachsen in ihrem Kommentar.

Der Paritätische Sachsen beobachtet seit vielen Jahren die quantitative Entwicklung bei den pädagogischen Fachkräften und ist sich mit dem Kultusministerium einig: Wir dürfen nicht die gleichen Fehler machen wie bei den Lehrer*innen und zu spät auf sich abzeichnende Engpässe reagieren.

Als langjährige Fachreferentin des Paritätischen Sachsen kann ich zu Recht und nicht ganz ohne Stolz sagen: Wir sind schon länger am Thema dran. Bereits 2011 beteiligten wir uns am Bundesprogramm „Mehr Männer in Kitas“. Damals ein durchaus neuer und in mancher Kita mit Vorurteilen behafteter Ansatz. Doch schnell zeigten sich die Potentiale der neue Zielgruppe hinsichtlich der Gewinnung neuer und engagierter Fachkräfte. Der Anteil an Erziehern in Sachsen stieg spürbar. Sechs Jahre nach dem Projektende erreichen uns immer noch Anfragen, wie ein Einstieg in den Beruf möglich werden kann.

Weiter ging es ab 2013 mit dem Bundesprogramm „Lernort Praxis“, das wir gemeinsam mit dem Sächsischen Kultusministerium umsetzten. Es befasste sich mit der gelingenden Kooperation zwischen den Ausbildungseinrichtungen sowie der notwendigen Praxisanleitung der angehenden Erzieher*innen während der Praktikumsphasen. Im Ergebnis dieser Initiative keimte ein Hoffnungsschimmer, denn die Bedeutung der beiden Aspekte für den Ausbildungserfolg, aber auch für die Attraktivität des Berufsfeldes wurde nun in Politik und Verwaltung ebenfalls erkannt.

Das Projekt wurde deshalb nach Ende der Bundesförderung auf Landesebene neu belebt. Wenngleich es in Bezug auf seine Ausstattung lediglich als Basisversion verstanden werden kann, so trafen die in „Lernort Praxis Sachsen - Kita“ (LOPS-K) durchgeführten Maßnahmen auf großes Interesse. Einmal mehr zeigte sich, dass Praxisanleitung und Lernortkooperation wichtige Stellschrauben sind, wenn wir von Berufsfeldattraktivität sprechen. In vielen Gesprächen mit Lernenden spürte ich deutlich, dass diese sehr wohl wahrnehmen, wenn Schule und Praxis kooperativ handeln und sie eine verlässliche Praxisanleitung an ihrer Seite wissen. Die Auszubildenden fühlten sich in ihrer Lernsituation ernst genommen und angenommen. Ein Indikator, der sich sicher positiv auf die Abbruchquote auswirkt – gerade im ersten Ausbildungsjahr.

Natürlich kann man sich jetzt darüber freuen, dass das LOPS-K-Projekt aktuell eine Fortsetzung erfährt. Es hat schließlich mehr als einmal bewiesen, wie dringend eine koordinierende Stelle und ein Impulsgeber für die beschriebenen Prozesse ist. Doch auch noch so erfolgreiche Projekte weiter auf Sparflamme fortzusetzen, kann nicht als zukunftsweisender Ansatz verstanden werden.

Um die von allen Akteuren anerkannten Effekte auch nachhaltig zu verankern und in die dringend benötigte Attraktivitätssteigerung des Berufsfeldes der Erzieher*innen einfließen zu lassen, braucht es erstens eine Koordinierungsstelle in Sachsen. Diese muss die Zusammenarbeit der beiden Lernorte fördern und sichern, beratend tätig sein sowie auf die Weiterentwicklung bestehender Ansätze hinwirken. Zweitens benötigen alle Beteiligten ein ausreichendes Zeitbudget, damit die individuelle Praxisbegleitung der Lernenden gelingt. Das sollte in der kommenden Legislatur ganz oben auf der Tagesordnung stehen, denn den Fehler wie bei den Lehrer*innen wollten wir doch nicht wiederholen, oder?

Kontakt:
Maria Groß, Referentin Bildung
Tel.: 0351/ 828 71 146
E-Mail: maria.gross(at)parisax.de


Das Projekt "Lernort Praxis Sachsen - Kita" ist Anfang Juli 2019 in eine weitere Projektphase gegangen. Fragen dazu beantwortet Ihnen die Projektkoordinatorin Dr. Susanne Kleber unter 0351/ 828 71 147 oder per E-Mail an susanne.kleber(at)parisax.de