Die Fachtagung blickt auf die Situation der Rückkehrberatung in Sachsen und diskutiert Fragen der Verfahrenspraxis.

Die öffentliche Diskussion über migrationspolitische Fragen entwickelt sich aktuell in Richtung Abschottung und Rückführung. Vermeintlich schnellen Lösungen wird zunehmend mehr Wirkungskraft zugesprochen als der individuellen Beratung und Berücksichtigung von Zuwanderungsgründen.
Vor diesem Hintergrund werden ganz unterschiedliche Erwartungen an die Rückkehrberatungsdienste sowie die dort tätigen Fachkräfte gestellt. Die Rückkehrberatung gerät somit in das Spannungsfeld zwischen unvoreingenommener Beratung im Sinne der Zugewanderten und der Zielstellung, möglichst viele Personen zur Ausreise zu bewegen.

Zusätzlich zu ganz praktischen Unterstützungen sehen sich die Berater*innen täglich mit den oft anders gewünschten Lebensentwürfen der Ratsuchenden sowie den Auswirkungen von Ausreisedruck und Abschiebeankündigung konfrontiert. Sowohl kommunale Beratungsstellen als auch jene in freier Trägerschaft sind zum Teil bereits seit Jahrzehnten in diesem Tätigkeitsfeld aktiv. Erstgenannte haben jedoch in den letzten Jahren zahlenmäßig zugenommen. In jedem Fall ist es für Beratungsstellen derzeit wichtiger denn je, ein klares Selbstverständnis der eigenen Tätigkeit zu besitzen.

Die Fachtagung wird mit Impulsen und Dialogforen einen Blick auf die aktuelle Situation der Rückkehrberatung in Sachsen werfen. Praktische Fragen, wie die nach der Wirkung und dem Nutzen von Reintegrationsinstrumenten sowie deren Stellenwert in der Beratung sollen ebenso zur Debatte stehen, wie jene nach den Chancen auf eine humane Rückkehr und Wiedereingliederung im Heimatland. Welche Anforderungen bestehen an den Beratungsprozess, um zu vermeiden, dass es sich hierbei lediglich um eine ‹Formularhilfe› handelt? Und welche Qualitätsmerkmale der Beratung sind zu erfüllen, um die Würde und die Interessen des/ der Einzelnen zu berücksichtigen?

Die Veranstaltung möchte Akteur*innen aus Politik, Verwaltung, der Beratungspraxis und Sozialarbeit ins Gespräch bringen.

Fachtagsprogramm

ab 9.30 Uhr - Anmeldung und Zeit für erste Gespräche

10.00 Uhr - Begrüßung und Grußworte

  • Rüdiger Unger, DRK Landesverband Sachsen e.V.
  • Sebastian Vogel, Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz, Geschäftsbereich Gleichstellung und Integration

10.30 Uhr - Vortrag
Freiwillige Rückkehr als Teil des Gesamtkonzeptes Flüchtlingsmanagement

  • Laura Kolland, Leitung Arbeitsbereich Freiwillige Rückkehr ZUR | Gemeinsames Zentrum zur Unterstützung der Rückkehr, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

11.15 Uhr - Vortrag
Grundsätze einer menschenrechtsorientierten Rückkehrberatung aus Sicht der Freien Wohlfahrtspflege

  • Nadja Saborowski, Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, DRK-Generalsekretariat

12.00 Uhr - Mittagessen und Zeit für Gespräche

13.00 Uhr - Dialogforen

Forum 1: Förderinstrumente für eine freiwillige Rückkehr und ihre Praxistauglichkeit

Fördermittel und Rückkehrprogramme sollen eine menschenwürdige Rückkehr ermöglichen und Perspektiven im Heimatland eröffnen. Die Fördermöglichkeiten durch Projekte haben sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Bestehende Programme wurden erweitert, viele Akteur*innen und Projektträger engagieren sich auf diesem Gebiet. 

Im Forum 1 werden die neuesten Förderprogramme und Projekte vorgestellt und die Rückkehrberater*innen werden aus ihrer praktischen Erfahrung berichten, wie sinnvoll Förderprojekte sind und ob diese tatsächlich einen Neubeginn im Heimatland unterstützen. Wie wirksam sind Rückkehrprogramme und kommt die Hilfe auch dort an, wo sie gebraucht wird?

  • Tobias Planitzer, Stadtmission Zwickau e.V.
  • Nikolaus von Wolff, GIZ-Reintegrationsscout
  • Marcus Bittner, Existenzgründerprogramm StartHope@Home
  • Kerstin Böttger, Diakonie Sachsen
  • Moderation: Projekt „!MitMischen“

Forum 2: Rahmenbedingungen für eine freiwillige und vertrauenswürdige Rückkehrberatung

Das Handlungsfeld ‚Rückkehrberatung‘ ist in besonderer Weise von der individuellen Lebenssituation der zu Beratenden sowie der aktuellen politischen und gesetzlichen Sachlage geprägt.  Berater*innen der Rückkehrberatung sind gefordert, fachliche Standards der Beratung anzuwenden, welche die zu Beratenden in die Lage versetzen, eigenständige Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. Der spürbar wachsende Rückkehrdruck auf bestimmte Zielgruppen, aber auch deren Erfahrungen mit Diskriminierung oder Perspektivlosigkeit, stellen zunehmend auch die Akteur*innen der Integrationsarbeit vor schwierige Herausforderungen.

Damit eröffnen sich konkrete Fragen etwa zum Ablauf und den Möglichkeiten einer Rückkehrberatung. Der Workshop möchte einen vertieften Einblick in die Grundsätze der Rückkehrberatung der Verbände der freien Wohlfahrtspflege geben. Welche praktischen Handlungsweisen leiten sich aus diesen Grundsätzen ab? Wie muss eine Beratung im Sinne einer individuellen Perspektiventwicklung gestaltet sein? Welche Strukturen der Beratung gibt es in Sachsen und wie sehen deren Netzwerke aus?

  • Nadja Saborowski, DRK Generalsekretariat
  • Lea Rosenberg, Der Paritätische Hessen
  • Lena Prodöhl, Caritas Leipzig e.V.
  • Hendrik Kreuzberg, Paritätischer Sachsen e.V.
  • Moderation: Projekt „!MitMischen“

Forum 3: Nachhaltige Reintegrationsprojekte der Wohlfahrtspflege - Rückkehrberatung Nürnberg und das Rückkehrprojekt der AWO KV Nürnberg e.V. im Kosovo

Die Zentrale Rückkehrberatung (ZRB) Nürnberg klärt ausreisepflichtige Personen über deren Perspektiven in Deutschland und im Herkunftsland auf, informiert über die aktuelle Situation im Heimatland und entwickelt gemeinsam mit den Ratsuchenden realistische Zukunftsperspektiven. Rückkehr wird hier als Teilschritt eines fortlaufenden Prozesses verstanden. Bei der Wiederansiedlung und Reintegration der Rückkehrer*innen ergeben sich häufig Probleme etwa mit Wohnraum, Dokumenten, Arbeits- und Ausbildungsstellen oder dem Schulbesuch.

Das Kosovo-Rückkehrer*innenprojekt des AWO KV Nürnberg e.V. berät Rückkehrer*innen bei der Vorbereitung der Heimreise und bei der Reintegration, beispielsweise durch die Erstellung eines Geschäftsplans oder durch die Vermittlung eines Ausbildungsplatzes. Die Unterstützung vor Ort wird durch das Rückkehrzentrum in Priština ermöglicht. Welche Chancen und Risiken gibt es für Beratungsstellen im Herkunftsland? Welche Hürden müssen gemeistert werden und welche Ergebnisse sind nach den ersten 10 Jahren des Projektes erkennbar? Diese und weitere Fragen sollen in dem praxisnahen Einblick beantwortet werden.

  • Kristin Rieper, ZRB Nürnberg
  • Anna Wahlich, AWO KV Nürnberg e.V.
  • Julia Schieferdecker, AWO Landesverband Sachsen e.V.
  • Moderation: Projekt „!MitMischen“

Hinweis: Bitte teilen Sie uns in Ihrer Anmeldung mit, welches Dialogforum Sie besuchen möchten!

15.00 Uhr - Zeit für Gespräche bei Kaffee und Kuchen

15.30 Uhr - Zusammenfassung und Ausblick

16.00 Uhr - Veranstaltungsende

Moderation der Veranstaltung: Norbert Waldhelm, Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen e.V.


Zeit: 24. August 2018, 9.30 Uhr -16.00 Uhr

Veranstaltungsort: DRK Zentrum Sachsen, Bremer Str. 10d, 01067 Dresden

Anmeldung: Senden Sie Ihre Anmeldung bitte bis zum 17. August 2018 per E-Mail an anmeldung@drk-bildungswerk-sachsen.de

Für die Anmeldung und Rechnungslegung bitten wir Sie um folgende Angaben:

  • Name(n) des/ der Teilnehmer*innen + Verband/ Institution
  • Name des Rechnungsempfängers (z.B. Institution), Adresse des Rechnungsempfängers
  • Angabe des gewünschten Dialogforums

Kosten: Die Teilnahmegebühr beträgt 30,00 Euro (inklusive Verpflegung). Ihre Anmeldung wird erst mit dem Zahlungseingang verbindlich.


Hinweis: Auf dieser Veranstaltung wird fotografiert. Mit der Veranstaltungsanmeldung stimmen Sie zu, dass das Bildmaterial für Dokumentationszwecke sowie im Rahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Verbände der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen verwendet werden darf. Sollten Sie dem nicht zustimmen, wenden Sie sich bitte vor Veranstaltungsbeginn an das Veranstaltungsteam.