Betreut zu wohnen, geht nur fremdbestimmt – So die landläufige Meinung, wenn es um Wohnformen für Menschen mit Behinderungen geht. Der Praxistag Wohnen der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Sachsen zeigte, dass weit mehr möglich ist.

Dokumentation Praxistag Wohnen (Liga der Freien Wohlfahrtspflege), graphic recordig

Um den Praxistag möglichst inklusiv zu gestalten, waren sowohl Fachkräfte als auch Menschen mit Behinderung eingeladen. Sie nahmen teileweise als Tandem teil, um im Nachgang die gewonnen Erkenntnisse zum selbstbestimmten Wohnen weiterzuentwickeln. Rund 80 Personen folgten der Einladung des Liga-Fachausschusses Teilhabe und Rehabilitation, um kurze Impulse zu hören und an fünf Arbeitsgruppen teilzunehmen. Dank des Onlineformates beteiligten sich Teilnehmende aus ganz Sachsen und den verschiedensten Wohnformen.

Der sächsische Behindertenbeauftragte Stephan Pöhler betonte zu Beginn der Veranstaltung im Gespräch mit dem Ligavorsitzenden Michael Richter, dass gerade beim Thema Wohnen die Selbstbestimmung eine zentrale Rolle spielt. Die eigene Wohnung oder auch das eigenen Zimmer seien Orte höchster Privatheit, die es stets zu respektieren gelte. Ganz im Sinne des Bundesteilhabegesetzes müssten die Bedarfe und Wünsche der Bewohner*innen – egal ob im Wohnheim oder der eigenen Wohnung – leitend für begleitende Fachkräfte sein.

Wie dies gelingen kann und was dazu gehört, kam in fünf Arbeitsgruppen zur Sprache. Tenor aller Runden war dabei, dass selbst für Menschen mit hohen Unterstützungsbedarfen ein individuelles Wohnen möglich ist. Passender Wohnraum und die an den jeweiligen Bedarfen orientierte Assistenz können die Selbstbestimmung jedes Einzelnen stärken.

Neben Beispielen, wie etwa Wohngemeinschaften wurden auch Wege vorgestellt, die den Wandel stationärer Wohnformen hin zu individuellem Wohnen ermöglichen. Zudem wurden verschiedene Beteiligungsformate vorgestellt, die den Bewohner*innen eine umfängliche Mitwirkung ermöglichen.

Ein langer Atem im Umgang mit Kostenträgern und die gute Vernetzung mit verschiedenen Akteur*innen, stellten sich in allen Fällen als Schlüssel zum Erfolg heraus. Kritisch bewerteten die Teilnehmenden den Umstand, dass die Erkenntnisse aus erfolgreichen Modellprojekten zu selten den Weg in den Regelbetrieb finden. Kostenträger, aber auch Leistungserbringer seien oft wenig flexibel, wenn es darum geht, bestehende Strukturen neu zu denken. Alle Teilnehmenden und die Organisator*innen setzten daher auf die mit dem Bundesteilhabegesetz angestoßene Entwicklung hin zu bedarfsorientierten Leistungen für Menschen mit Behinderungen.

Nachstehend finden Sie die begleitenden Präsentationen zu den fünf Arbeitsgruppen, die jeweils die Kontaktdaten der Impulsgeber*innen enthalten. Dem federführenden Fachausschuss der Liga Sachsen ist daran gelegen, den Dialog auch über die Veranstaltung hinaus zu ermöglichen.

Sie haben Fragen oder möchten sich austauschen? Sprechen Sie die Mitglieder des Liga-Fachausschusses Teilhabe und Rehabilitation an.


Die Ergebnisse des Fachtags "Praxistag Wohnen" wurden von der Grafikerin Liane Hoder aus Dresden mit Symbolen, Figuen und zentralen Aussagen zusammengefasst. Hier die Ergebnisse auf einen Blick ansehen.

Präsentationen