Heranwachsende haben es auf dem Weg zu ihrer geschlechtlichen Identität nicht immer leicht. Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe sind hier besonders gefordert, denn Ignorieren bzw. fehlende Anerkennung können zu seelischen Verletzungen führen.

Alex wird bald 13. Was schenkt man einem Kind zum Geburtstag, das bald sicher nicht mehr als Kind, sondern viel lieber als Teenager bezeichnet werden möchte? Natürlich hat Lena, die Bezugsbetreuerin von Alex, schon eine gute Idee: Bausets dänischer Produktion stehen bei allen Kindern der Wohngruppe gerade hoch im Kurs. Dennoch ist sie unsicher und tauscht sich lieber noch einmal mit ihren Kolleg*innen aus. Alle sind sich einig - ein ferngesteuerter Stunt-Racer wird das Richtige sein. Und tatsächlich: Die Freude, die Alex dann schließlich am Geburtstag empfindet, übersteigt Lenas Hoffnungen sogar noch.

So unsicher Lena bei der Auswahl des Geschenks war, so unsicher ist sich Alex, ob seine Entwicklung hin zu einem Mann oder einer Frau gehen soll. Vielleicht möchte Alex auch keines von beidem sein. Diese Gedanken hat Alex vor ein paar Wochen mit Lena geteilt. Doch nicht nur bei ihr, auch sonst findet Alex in der Wohngruppe viel Rückhalt und Unterstützung. Alle Pädagog*innen, die Alex tagein und tagaus begleiten, und auch die Kinder, die mit Alex zusammenleben, finden es völlig normal, dass man sich manchmal nicht so ganz sicher ist.

Dass es sich bei der Entscheidung um Alex‘ geschlechtliche Identität handelt, ist dabei nicht sonderlich wichtig. Von allen Seiten wird Alex das Gefühl vermittelt, gut aufgehoben zu sein und mit allen Fragen, die sich im Laufe der Zeit in der Wohngruppe ergeben, zu den Erwachsenen gehen zu können. In allen Belangen ernst genommen zu werden und das Gefühl, Unterstützung zu bekommen – das kennt Alex aus der eigenen Familie nicht. Aber zum Glück aus den Jahren in der Kinder- und Jugendhilfe. Dort hat Alex die Möglichkeit, sich gesund zu entwickeln, Beziehungen und Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen und auf dem eigenen Lebensweg unter vielen Optionen wählen zu können.

So, wie im Beispiel geschildert, finden Kinder und Jugendliche ein Umfeld, das ihnen gesundes Aufwachsen ermöglicht. Doch auch Fachkräfte sind sich nicht immer sicher, wie sie Heranwachsende hinsichtlich der geschlechtlichen Identität gut begleiten können. Respekt und Wertschätzung sind hierbei entscheidende Grundlagen. Aber reicht das, um seelischen und psychischen Verletzungen vorzubeugen?

Erfahren Sie mehr über den Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in der Kinder- und Jugendhilfe. Besuchen Sie den Fachtag „Geschlechtersensible Gesundheitsförderung in Sachsen“ am 4. November 2020 in Dresden. Fachliche Impulse und Zeit für Gespräche stärken Ihre Kompetenzen und die Ihres Teams.

Mehr Informationen und die Anmeldung finden Sie auf der Website der LAG Jungen- und Männerarbeit Sachsen: www.juma-sachsen.de


Der Fachtag ist eine Kooperation der Fachstelle Männerarbeit Sachsen, der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und der Landeshauptstadt Dresden, der kirchlichen Frauenarbeit der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen, der LAG Queeres Netzwerk Sachsen e.V., des Frauen- und Mädchengesundheitszentrums MEDEA e.V., des Forschungsverbunds Public Health Sachsen der TU Dresden und der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen.