Wirtschaft wächst mit Wohlfahrt: Schuldnerberatung schützt Menschen vor sozialem Absturz
Ein zentrales Arbeitsfeld der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen ist die soziale Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung. Sie hilft Menschen, die von Überschuldung betroffen oder bedroht sind, ihre finanzielle Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen und soziale Folgeschäden zu vermeiden. Dazu gehören zum Beispiel Wohnungsverlust, psychische Belastungen oder langfristige Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt.

Mit Blick auf die Beratungen zum sächsischen Doppelhaushalt 2027/28 legt die Liga der Freien Wohlfahrtspflege Sachsen noch einmal den Fokus auf die Menschen, die Unterstützung am dringendsten brauchen. „Mögliche Kürzungen in der sozialen Infrastruktur treffen nicht nur vulnerable Menschen, sondern schwächen langfristig auch Wirtschaft, Arbeitsmarkt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wirtschaft wächst mit Wohlfahrt – deshalb braucht die Freie Wohlfahrtspflege verlässliche Rahmenbedingungen und Finanzierung“, mahnt Dietrich Bauer, Vorsitzender der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Sachsen. Die Staatsregierung hat in ihrem Entwurf zum Doppelhaushalt diesen Zusammenhang erkannt und die Mittel für die Verbraucherinsolvenzberatung fast stabil gehalten. Der angemeldete notwendige Mittelaufwuchs wurde jedoch nicht berücksichtigt.
2024 erhielten in Sachsen mehr als 22.800 Menschen Unterstützung in 68 Schuldnerberatungsstellen der Freien Wohlfahrtspflege. Gleichzeitig zeigt sich ein erheblicher ungedeckter Bedarf: Über 8 Prozent der sächsischen Haushalte waren 2023 überschuldet, doch nur etwa 7 Prozent der betroffenen Haushalte konnten das Beratungsangebot tatsächlich nutzen. Lange Wartezeiten, weite Wege und fehlende Kapazitäten erschweren den Zugang erheblich.
„Überschuldung ist selten ein rein finanzielles Problem. Sie betrifft nahezu alle Lebensbereiche und führt häufig zu sozialer Isolation, familiären Krisen und gesundheitlichen Belastungen“, so Bauer. „Eine starke Schuldnerberatung stabilisiert Menschen, verhindert Folgekosten und schafft neue Perspektiven.“
Dr. Johanna Rautenberg, Vorsitzende des Liga-Unterausschusses Schuldnerberatung, betont: „Schuldnerberatung ermöglicht Menschen einen Neuanfang. Ohne ausreichende Finanzierung drohen längere Wartezeiten und Versorgungslücken, insbesondere für Menschen in schwierigen Lebenslagen.“
Aktuelle Entwicklungen verschärfen die Lage zusätzlich: Krankheit, Sucht und Unfall sind erstmals die häufigste Ursache privater Überschuldung in Deutschland – noch vor Arbeitslosigkeit. Zugleich zeigt sich der wirtschaftliche Nutzen frühzeitiger Beratung deutlich: Jeder investierte Euro spart laut Studien 1,40 bis 5,30 Euro an sozialen Folgekosten.
Die Liga fordert daher eine bedarfsgerechte und kostendeckende Finanzierung der Schuldnerberatung im Freistaat. Investitionen in Beratung schützen nicht nur Einzelne vor sozialem Absturz, sondern stärken den sozialen Frieden und die wirtschaftliche Stabilität in Sachsen.
Über die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen:
Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen ist der Zusammenschluss der sieben Spitzenverbände der Freien Wohlfahrt im Freistaat. Mit rund 110.000 Beschäftigten und etwa 30.000 ehrenamtlich Engagierten sichern ihre Einrichtungen und Dienste wesentliche Teile der sozialen Infrastruktur in Sachsen. Der Vorsitz der Liga liegt 2026/2027 bei der Diakonie Sachsen.
Hinweis für Medien:
Das vollständige Factsheet „Schuldnerberatung“ finden Sie unter FACTSHEETS LIGA_Schuldnerberatung