Die Arbeit der ambulanten Suchthilfe und Suchtprävention im Freistaat reicht weit über akute Krisenintervention hinaus: Sie verhindert Chronifizierungen, stabilisiert Familien, unterstützt die Rückkehr in Arbeit und entlastet Gesundheits-, Sozial- und Justizsystem.

Mit Blick auf die Beratungen zum sächsischen Doppelhaushalt 2027/28 legt die Liga der Freien Wohlfahrtspflege Sachsen noch einmal den Fokus auf Menschen, die Unterstützung am dringendsten brauchen. „Mögliche Kürzungen in der sozialen Infrastruktur treffen nicht nur vulnerable Menschen, sondern schwächen langfristig auch Wirtschaft, Arbeitsmarkt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wirtschaft wächst mit Wohlfahrt – deshalb braucht die Freie Wohlfahrtspflege verlässliche Rahmenbedingungen und Finanzierung“, mahnt Dietrich Bauer, Vorsitzender der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Sachsen. Die Staatsregierung hat in ihrem Entwurf zum Doppelhaushalt diesen Zusammenhang erkannt, wie das Beispiel der ambulanten Suchthilfe und Suchtprävention zeigt.

Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege appelliert daher an die Fraktionen im Sächsischen Landtag, die im Entwurf enthaltende finanzielle Ausstattung der Suchtberatungsstellen beizubehalten und damit als unverzichtbaren Bestandteil sozialer Infrastruktur abzusichern. Genauso richtet sich der Appell an die kommunale Ebene, den eigenen Finanzierungsanteilen ebenso aufrecht zu erhalten.

Die Arbeit der ambulanten Suchthilfe und Suchtprävention im Freistaat reicht weit über akute Krisenintervention hinaus: Sie verhindert Chronifizierungen, stabilisiert Familien, unterstützt die Rückkehr in Arbeit und entlastet Gesundheits-, Sozial- und Justizsystem.

Allein 2025 wurden in Sachsen rund 24.800 ambulante Betreuungsfälle in Suchtberatungsstellen begleitet; hinzu kamen etwa 1.700 suchtspezifische Hilfen im Justizvollzug. Gleichzeitig verschärft sich die Lage: Sachsen liegt bundesweit bei alkoholverursachten Todesfällen auf einem der vorderen Plätze, die Zahl der Drogentoten steigt, und auch problematischer Medienkonsum betrifft zunehmend Familien.

„Suchthilfe ist kein nachgelagertes Reparatursystem, sondern wirksame Prävention und gesellschaftliche Stabilisierung“, so Bauer. „Wer hier kürzt, spart nicht, sondern verlagert Probleme in deutlich teurere Hilfesysteme. Wirtschaft wächst mit Wohlfahrt. Das gilt gerade dort, wo soziale Arbeit Menschen befähigt, gesund zu bleiben, Arbeit aufzunehmen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.“

Studien zum gesellschaftlichen Nutzen ambulanter Suchtberatung zeigen: Jeder investierte Euro spart Folgekosten in Höhe von 17 bis 28 Euro – etwa durch geringere Gesundheitskosten, weniger Arbeitsausfälle, weniger Jugendhilfemaßnahmen und weniger Frühverrentungen.

Beate Drowatzky, Referentin Sucht- und Wohnungsnotfallhilfe beim Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen e.V., betont: „Sucht betrifft nie nur einzelne Menschen. Sie betrifft Familien, Kinder, Betriebe und ganze Sozialräume. Beratung ermöglicht frühzeitig Hilfe und trägt dazu bei, dass Krisen nicht eskalieren.“

Die Liga warnt davor, bestehende Versorgungsstrukturen auszudünnen. Der angestrebte Versorgungsschlüssel von einer Suchtberatungsstelle pro 20.000 Einwohner wird derzeit nur in drei Regionen Sachsens erreicht.