Männer sterben deutlich früher als Frauen und leben tendenziell weniger gesund. Herkömmliche Angebote der Gesundheitsförderung nutzen hingegen nur wenige. Warum?

Symbolbild: ohne Orientierung, freier Fall (Foto: pexels - pixabay.com)

Männer sterben deutlich früher als Frauen und leben tendenziell weniger gesund. Oftmals suchen sie, wenn überhaupt, erst Hilfe, wenn das Leiden schon weit fortgeschritten ist. Gerade für sie wären Primärprävention und Gesundheitsförderung sehr wichtig, aber die herkömmlichen Angebote nehmen sie kaum wahr.

Der 42jährige Peter leidet unter Beziehungsstress. Und zwar schon länger. Es häufen sich frustrierende Konflikte, immer öfter spielt er mit dem Gedanken „Schluss zu machen“ – andererseits liebt er die Frau! Als ihm Gespräche mit Freund*innen nicht mehr weiterhelfen, sucht er eine Familienberatungsstelle auf, die mit dem Slogan „Ansprechpartner für Mädchen, Frauen, Jungen und Männer“ wirbt. Plakate und Werbematerial im dortigen Wartebereich sind jedoch fast ausschließlich auf Frauen ausgerichtet: „Schwangerschaftskonfliktberatung für Frauen“, „Vortrag zu Verhütungsmitteln für Frauen“, „Beratung für Frauen und Paare in Trennungssituationen“ usw.  Peter sucht in der Teamübersicht, ob er zumindest einen männlichen Berater findet – Fehlanzeige. Seine Unsicherheit wird immer größer und noch bevor er sein Anliegen einer Mitarbeiterin vorgetragen hat, verlässt er die Beratungsstelle.

Konrad „hat Rücken“. Der 61jährige arbeitet seit Jahrzehnten im Büro und hat bisher nur halbherzig Sport getrieben. Jetzt scheint sich das langsam zu rächen. Auch die Knie beginnen zu mucken. Nun will er endlich was tun und erinnert sich, dass sowohl seine Ex-Frau als auch ein Physiotherapeut ihm öfter von Yoga vorgeschwärmt haben. Er sucht sich einen Kurs der Volkshochschule in seiner Nähe und zieht los, die neue Jogginghose im Gepäck. Als er den Raum betrifft, erstarrt er: Es scheint ein Frauenkurs zu sein. „Nein, nein, Männer sind auch willkommen“, meint die Yogalehrerin – und tatsächlich, ein anderer Mann taucht auf. Allerdings ein durchtrainierter 30jähriger, der das schon ewig zu machen scheint. Zwischen ihm und 17 Frauen kommt sich Konrad ziemlich beobachtet und fehl am Platze vor. Auch so eine Jogginghose trägt von denen niemand. Er übersteht angespannt die erste Stunde – und kommt nicht wieder. Als zwei weitere Versuche bei anderen Anbietern ein ähnliches Bild zeigen, gibt er sein Vorhaben auf. Einen Yogakurs für Männer gibt es in seiner Stadt nicht.

Diese Beispiele aus der Praxis zeigen, dass es in der Gesundheitsförderung an adäquaten Angeboten für Männer mangelt. Als eigene Zielgruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Kontaktwünschen und Unsicherheiten werden sie kaum wahrgenommen. Wenn Sie wissen möchten, wie es anders gehen könnte, besuchen den Fachtag „Gesucht: Gesundheitsförderung [w/m/d] – Geschlechtersensibilität und Gesundheitschancen in Sachsen“ am 4. November 2020 in Dresden.

Mehr Informationen und die Anmeldung finden Sie auf der Website der LAG Jungen- und Männerarbeit Sachsen: www.juma-sachsen.de


Der Fachtag ist eine Kooperation der Fachstelle Männerarbeit Sachsen, der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und der Landeshauptstadt Dresden, der kirchlichen Frauenarbeit der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen, der LAG Queeres Netzwerk Sachsen e.V., des Frauen- und Mädchengesundheitszentrums MEDEA e.V., des Forschungsverbunds Public Health Sachsen der TU Dresden und der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen.