Verschuldung kann alle treffen. Darauf möchte die bundesweite Aktionswoche der Schuldnerberatungsstellen vom 7. bis 11. Juni aufmerksam machen. Wohlfahrtsverbände sprechen sich für die Stärkung der Beratungsstrukturen aus.

Symbolbild: ohne Orientierung, freier Fall (Foto: pexels - pixabay.com)

„Viele Menschen in Sachsen haben Schulden“, stellt Michael Richter, Vorsitzender der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Sachsen, fest. „Das ist grundsätzlich kein Problem, wenn man die Verbindlichkeiten im festgelegten Rahmen bedienen kann. Krankheit, Arbeitsplatzverlust, zerbrochene Beziehungen sind jedoch nur einige Gründe, die dies gefährden können. Es kann also alle treffen. Dann sind die Schuldnerberatungsstellen oft der rettende Anker.“ Mit ihrer bundesweiten Aktionswoche möchten die Schuldnerberatungsstellen deshalb auf das Problem der Überschuldung hinweisen und gleichzeitig auf ihr Hilfsangebot aufmerksam machen.

„Nicht selten zögern Menschen in Überschuldungssituationen, sich Hilfe zu holen. Die Scham über die eigene Situation ist oft sehr groß und in der Öffentlichkeit herrscht noch immer das Vorurteil, dass man selber schuld daran sei, wenn man seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann. Das ist jedoch nur in wenigen Fällen so. In der Regel sind es Schicksalsschläge und die Überforderung in einer außergewöhnlichen Lebenslage, die Verschuldung begünstigen. Der schnelle Gang zur Schuldnerberatung ist daher immer der richtige Schritt“, betont Michael Richter.

Sachsenweit betreiben die Wohlfahrtsverbände insgesamt 66 Schuldnerberatungsstellen, die 2020 rund 22.700 Menschen beraten haben. Laut Creditreform sind derzeit jedoch über 390.000 Personen in Sachsen überschuldet. Die sächsischen Wohlfahrtsverbände sprechen sich daher für die Stärkung der Schuldnerberatungsangebote aus.

Aufwuchs des Beratungsbedarfs nach Corona befürchtet

Infolge der Corona-Pandemie befürchten die Schuldnerberater*innen einen Aufwuchs der Anfragen. Schon jetzt ist die leichte Tendenz erkennbar, dass sich das Profil der Anfragenden ändert und Menschen um Hilfe bitten, die zuvor solcherlei Beratungsangebote eher selten nutzten. Zudem sind die coronabedingten Insolvenzschutzregelungen Ende April ausgelaufen. Schuldnerberater*innen rechnen daher mit mehr Insolvenzen und steigendem Beratungsbedarf.


Eine Übersicht der Schuldnerberatungsstellen unter dem Dach der sächsischen Wohlfahrtsverbände finden Sie hier.

Die offizielle Website der Aktionswoche ist www.aktionswoche-schuldnerberatung.de

Die Aktionswoche Schuldnerberatung wird getragen von der Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatungen der Verbände. Mehr dazu auf www.agsbv.de.


Zur Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen gehören der Landesverband der Arbeiterwohlfahrt in Sachsen, der Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen, der Caritasverband für die Diözese Görlitz, das Diakonische Werk Sachsen, der Deutsche Rote Kreuz Landesverband Sachsen, der Paritätische Wohlfahrtsverband Sachsen und der Landesverband der jüdischen Gemeinden in Sachsen.

Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen beschäftigen insgesamt mehr als 100.000 Mitarbeiter*innen. Der Liga-Vorsitz wechselt alle zwei Jahre und liegt 2020/21 in der Hand des Paritätischen Sachsen.

Für Presseanfragen:

Thomas Neumann (Pressesprecher, Paritätischer Sachsen)
Tel.: 0351/ 828 71 122
E-Mail: thomas.neumann@parisax.de